Woody Allen meinte zum Thema unverbindlicher Sex:
„Sex ohne Liebe ist eine bedeutungslose Erfahrung, aber wie das bei bedeutungslosen Erfahrungen so ist: Er ist einfach verdammt gut.“

„Mein Name ist Annabel H. Ich bin sechsunddreißig Jahre alt, messe ein Meter siebzig ohne Schuhe und wiege nackt 75kg. Nachdem ich langjährige Beziehungen mit verschieden Männer hatte, entdeckte ich, dass ich auch Orgasmen haben kann, ohne dafür Verpflichtungen einzugehen.“

Ich habe aufgehört, den Zucker unter meinen Espresso zu rühren und schaue in die blaugrünen Augen einer absolut normalen Frau. „Ich kenne viele Frauen, die sagen, dass sie oft Lust haben, einfach mit einem Mann zu schlafen, den sie gerade erst kennengelernt haben, doch wissen sie nicht nur wie sie damit umgehen sollten, sondern auch nicht, wie sie einen Mann finden, mit dem es sich lohnt Spaß zu haben. Was mein Sexleben betrifft, so hat sich durch die Akzeptanz, das Befriedigung nicht zwingend etwas mit tiefen Gefühlen zu tun haben muss, einiges geändert.“

Anabel ist eine der Frauen, die sich bereit erklärt haben, mit mir als Mann über ihre ONS zu reden. Als Treffpunkt bestimmte sie ein Café in Berlin, Oranienburger Straße.
Ohne sich lange mit Nebensächlichkeiten zu belasten, beginnt sie, über ihre Abenteuer zu sprechen.

„Meinen ersten bewussten Gelegenheitssex hatte ich in diesem Café vor ungefähr 3 Jahren. Es war ein Date mit einem Mann, den ich im Chat kennengelernt hatte. Ich war, so redete ich mir ein, auf der Suche nach einer neuen Beziehung, doch im Nachhinein wurde mir klar, dass ich einfach nur Lust auf Sex hatte und der Typ hatte das, was ich brauchte, einen Penis! Es war mein erster ONS.“

Eine Umfrage des Kondomherstellers Durex hat ergeben, dass 36% aller deutschen Männer und Frauen mindestens einmal in ihrem Leben einen One-Night-Stand hatten. Das Charakteristikum eines One-Night-Stands ist seine Einmaligkeit, seine Spontaneität und mitunter auch seine Kürze. „Wahre Liebe kann warten.“ Aber für einige Menschen der Sex eben nicht.

In einem Experiment fragen Studenten des jeweils anderen Geschlechts:

–          „Möchtest du mit mir ausgehen?“
–          „Möchtest du dir meine Wohnung anschauen?“
–          „Möchtest du unverbindlichen Sex mit mir?“

76% der Männer hatten nichts gegen Sex mit einer gutaussehenden Frau einzuwenden, aber kaum eine Frau wollte sofort mit einem Mann (egal wie gut aussehend) schlafen. Doch obwohl sie den sofortigen Sex verneinten, waren 50% der Frauen bereit, sich auf einen Kaffee zu verabreden.

„Frauen wollen selber entscheiden, mit wem sie Sex haben wollen. Selber zu entscheiden, was man will, ist der Grundstein für die schnelle Nummer.“, bestätigt mir auch Lisa N. Lisa ist eine Hamburger Karrierefrau, ihr aufrechter Gang und ihre langen Haare sorgen dafür, dass sie immer Aufmerksamkeit bekommt. „Es gibt neben dem Spaß noch weitere Gründe für unverbindlichen Sex.“, erklärt sie. „Selbstbestätigung, ein persönlicher Vorteil und das Prüfen für eine mögliche längerfristige Beziehung.“ Gelegenheitssex und Affären erlauben es Frauen und Männern den „Marktwert“ zu testen.

Lisa dazu: „Als mein Freund mich betrogen hatte, wollte ich beim ONS gewissermaßen eine zweite Meinung über meine Attraktivität und mein sexuelles Potenzial bekommen und natürlich auch meine Rachegelüste befriedigen.“ Das Glitzern in ihren Augen beantwortet die Frage, ob sie zufriedengestellt wurde.

Ein Blick auf Urvölker erklärt die persönlichen Vorteile durch Gelegenheitssex. Frauen in Borneo oder in Afrika fordern dort im Austausch für schnellen Sex, Nahrungsmittel, Schmuck, Muscheln oder Tabak und auch in europäischen Ländern erwarten viele Frauen von Anfang an großzügige Geschenke oder andere kostspielige Aufmerksamkeiten bei den Verabredungen.

Bei der Suche nach einem Ehemann achten sie hingegen auf ein freundliches Wesen, Fürsorge, Einfühlungsvermögen und Verständnis. Auch diese Aspekte lassen sich bei gelegentlichen unverbindlichen sexuellen Abenteuern einschätzen. Es ist verblüffend einfach, schnellen Sex zu bekommen, sowohl als Frau als auch als Mann.

Gut vorbereitet ist halb im Bett. „Wenn ich guten Sex haben will, dann kann ich das nur, wenn ich mich selbst in meiner Haut wohl fühle. Dabei ist es egal, ob ich geplanten Sex habe oder ihn außer der Reihe genieße. Haare, Make-up, Kleidung, Körperpflege, Ernährung, Sport – meine Oma sagte immer zu mir: Schneid die Hecke und putz das Haus, du weißt nie wer zu Besuch kommt.“ Lisas Oma scheint gewusst zu haben, wovon sie sprach…

Es gibt kaum etwas, das mehr vom Sex ablenkt, als das Gefühl, nicht frisch und sauber zu sein. Und dass diese Regel auch für Männer gilt, so hoffe ich, dies nicht separat erwähnen zu müssen. Bei einer Umfrage der Deutschen zum Sexleben im Jahr 2003 stellte sich heraus, dass 46% der deutschen Männer eine Frau mit Teilrasur, 40% einen komplett enthaarten Schambereich und 14% einen natürlichen Bärenpelz bevorzugen. Wichtig für Frauen ist, dass das Make-up schnell zu entfernen ist und zwar nicht aus seiner Bettwäsche. Wie bei vielen Dingen ist Natürlichkeit Trumpf und weniger manchmal mehr.

„Die Kleidung ist immer eine Frage des persönlichen Geschmacks. Zeige was du hast, ohne das es verzweifelt wirkt, etwas, womit du dich am nächsten Morgen auch auf der Straße sehen lassen kannst.“, so Annabel und Lisa übereinstimmend. Annabel meint ergänzend: „Ich trage immer etwas, was man(n) schnell zur Seite schieben kann. Keine Frau sollte in der Aussicht auf schnellen Sex etwas anziehen, das ein Mann nur umständlich vom Leib blättern kann.“ Je länger das Entblättern dauert, desto größer die Wahrscheinlichkeit für peinliche Momente. Gleiches gilt auch für den männlichen Part. Männer, die bei der Wahl Ihrer Garderobe Stil und Geschmack beweisen, gelten bei Frauen in der Regel als Liebhaber mit einer sicheren Hand und Fingerspitzelgefühl.

Die passenden Männer und Frauen für den Gelegenheissex finden sich überall. Frauen bevorzugen in der Regel Menschen aus dem Bekanntenkreis und Männer träumen vom schnellen Sex mit fremden Frauen. Auf wen die Wahl fällt, entscheidet sich nach dem Angebot und auf Nachfrage. Letztendlich kann Sex mit einem Freund die Freundschaft verändern oder auch in neue ungeahnte Höhen schwingen. Als Richtwert kann gelten: „Je enger die Freundschaft, desto gefährlicher das Spiel.“

Beim Flirt selber überprüfen Frauen wie Männer eine Reihe von unterschiedlichen Merkmalen: unter anderem, Bewegungsablauf, Mimik, Körpersprache, Frisur, sozialer Status und Interaktion. Unser Gehirn verarbeitet in Millisekunden diese Informationen und bewertet sie. Den Ansatz zur „perfekten Masche“ könnt ihr in weiteren Ausgaben nachlesen.

Hier Lisas Liste der No-Go´s beim Mann:

– Flipflops und Sandalen mit Socken
– enge Hosen, die jedes Körperteil nachzeichnen,
– Ganzkörper-Camouflage-Kleidung,
– Krawatten, die nur er witzig findet,
– T-Shirts mit Sprüchen oder Trickfilmfiguren und einschlägigen Metalbands
– Vokuhila,
– Pferdeschwänze als Frisur,
– langes Haar und oben Platte,
– schlechte Zähne,
– sichtbare Nasenhaare,
– rostbrauner Solarium Teint,
– Muskelprotze,
– übermäßiges Schwitzen schon vor dem Sex,
– Mundgeruch,
– Schweißgeruch,
– zu viel Eau de Toilette, um den vorletzten Punkt zu überdecken.

„Auch wenn es zum Sex kommt, unterlaufen Männern die einen oder anderen Fehler.“ erklärt Lisa. „Ich mag eine direkte und deutliche Sprache beim Sex, aber nachdem ein Mann mir mit herunter gelassener Hose erklärte: “Ich werde dich besteigen, du Schlampe!“ war mein Höschen schneller wieder oben als der Typ gekommen wäre.“ Beim schnellen Sex geht es um Befriedigung und um ein gutes Gefühl danach. Aus diesem Grund sollte alles vermieden werden, das dieses Gefühl irritieren könnte. Dazu gehört natürlich auch das richtige Küssen. Viele Frauen glauben, dass sie aus dem Kuss eines Mannes ableiten können, welche Qualitäten sie im Bett erwarten.

Zuviel Zunge – zu aggressiv, solche Männer nennen Frauen Presslufthämmer, ohne auf die Mitspielerin zu achten – hart, schnell, kurz und vorbei.
Zu wenig Zunge – bitte erwartet nicht, dass der Gegenüber beim Sex aktiv mitspielt.
Gesichtsdusche – kann sich auch beim Sex nicht für eine Öffnung entscheiden.
Keine Zunge, kein Sex!

Annabel: „Ein Vorteil des Gelegenheissex ist, dass der Sex jedes Mal ein anderer ist. Selbst wenn der Sex dann nicht den gewünschten Erfolg hatte, so war es doch immer ein Erlebnis mit neuen Erfahrungen. Und rückblickend rede ich mit meinen Freundinnen über die schlechten Liebhaber viel häufiger als über die Guten. Tja, und dann noch die Sache mit dem Kuscheln. Kuscheln oder nicht, das ist bei mir immer der Knackpunkt.“ Befindet man sich in der Nähe eines Bettes oder darin, dann ist die Versuchung groß sich aneinanderzuschmiegen. Dabei handelt es sich um ein physisch bedingtes Verhalten, dass unabhängig von der Qualität des Sexes einsetzt. Um Komplikation zu vermeiden und ungebunden wieder gehen zu können, ist das Kuscheln oder gar das gemeinsame Einschlafen keine gute Idee. Nach dem Sex und vor allem nach einem Orgasmus, schüttet der Körper Hormone aus, die wie ein Liebestrank wirken. Das, was ihr in den Minuten nach dem Sex seht, zu dem fühlt ihr euch hingezogen und verbunden. Ihr habt den anderen schon sexuell befriedigt, Gefühle können in dieser Situation die ganze Sache auch noch im Nachhinein verkomplizieren. Lasst euch also nur in Ausnahmefällen und wenn ihr absolut sicher seid, dass ihr und auch er/sie damit umgehen können, auf Nähe und Schmusen ein. Gespräche über deine/ihre Probleme sind damit genauso fehl am Platz, wie das Aufarbeiten dessen, das gerade passiert ist.

Der beste Gelegenheitssex ist der, bei dem nicht viel geredet, sondern viel gemacht wird. Es ist ein Weg, Leidenschaft zu erleben und die Stärke freizusetzten, nichts bereuen zu müssen. Ich wünsche allen, dass sie sich gut fühlen, nachdem sie Gelegenheitssex hatten und sich dann auch genauso frei, sexy und attraktiv fühlen, wie ich.“ sagte Lisa gerade am Telefon und fragte mich, ob ich den Abend mit ihr in Hamburg verbringen wolle.

 

Brian Lorenzo